vergeben – verzeihen

von | 03.02.2019 | Heilung | 0 Kommentare

Wenn man es genau nimmt, dann ist „Verzeihen“ „Beziehungsarbeit“, also das Zusammenrücken, das Erkennen und Verstehen vom Mensch-Sein an sich. Wahrscheinlich war deswegen einer der wichtigsten Botschaften Jesu, die der Verzeihung als Weg zum inneren Frieden.

Erstmal scheint es einfach zu sein, anderen, die sich schuldig gemacht haben, zu verzeihen. Man braucht ja nur von den Ansprüchen loslassen, die man gegenüber anderen zu haben glaubt – natürlich nur um der Gerechtigkeit willen. Also wäre es einfach eine Sache des Großmutes, auf seine berechtigten Ansprüche zu verzichten und den/die Andere/n aus seiner Schuld zu entlassen.
Verzicht kann aber zweierlei sein: Entbehrung im Sinne von Askese oder ein Lassen im Sinne der Liebe.

Wo da die Stolperstellen sind, kann man am besten herausfinden, wenn es darum geht sich selbst zu verzeihen, weil der Großmut im Zweifelsfall von niemandem anerkannt wird und die Rechnung am Ende nicht aufgeht – wenn es denn darum ging sich selbst als großmütig wahrzunehmen.

Etymologie
Schaut man sich an, was die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Verzeihung ist, wird die Sache schon ein bisschen klarer: Das Wort „zeihen“ bedeutet „auf einen Schuldigen zeigen“. Dann wäre das „Verzeihen“ nichts anderes, als den Finger runter zu nehmen und damit das Schuldverhältnis auf zu lösen. Damit breitet sich die Energie, die über den Zeige-Finger auf jemand gerichtet war, wieder aus, im freien Raum.

Mitgefühl
Man wird nicht darum herum kommen, in solch einem Moment zu fühlen, was der eigentliche, energetische Inhalt des Spannungsfeldes zwischen Kläger und Angeklagtem war… denn die Schuldzuweisung findet immer dann statt, wenn es eine Klage gibt gegen eine Ungerechtigkeit.
Man betritt eben das mitfühlende Feld und wird sich selbst genauso wahrnehmen können wie auch den Anderen! Also man fühlt die Ungerechtigkeit, man fühlt die Klage und den daraus resultierenden Schmerz – das betrifft den Kläger! Und man fühlt genauso die Motivation des Angeklagten, damit seine Lebens-Klage, und den daraus resultierenden Schmerz…

Gemeinsames Feld
Das was hier sichtbar wird, ist das gemeinsame Feld, indem diese Erfahrung, dieses Spannungsfeld hat entstehen können. Mit anderen Worten, wenn es wirklich um Verzeihung geht, dann wird man sich als Kläger auch als Angeklagten wahrnehmen können und umgekehrt! Ursache und Wirkung liegen bei beiden Beteiligten – in Wechsel-Beziehung, in Resonanz.
Den Finger runternehmen heißt also „Verantwortung“ übernehmen für die gemeinsam verursachte Situation und bedeutet auch ein „Dazulernen“ über die Motivation.

Das selbe Boot
Letztlich ist es die Anerkennung, dass man im selben Boot sitzt – im Boot des Mensch-Seins – auf dem großen Ozean des Seins und was im besten Fall dabei herauskommt ist die Liebe, weil das Ringen um das Glück, das Ringen um die Liebe im „Schuldigen“ genauso sichtbar wird wie im „Gerechten“. Es ist dann die Wachstums-Phase zweier Wassertropfen, die sich in das Boot gesetzt haben, um einen bestimmten Aspekt zu integrieren. Den Finger runternehmen, würde bedeuten, dass das Boot verschwindet und die Tropfen wieder eingehen in den großen Ozean – um einen bewussten Aspekt des Seins reicher.

Großmut
Das ist das, was wohl Jesus gemeint haben mag – das unterstell ich jetzt einfach mal – als er von der Verzeihung oder Vergebung sprach! Seine Botschaft war die Liebe, also der Ozean.
Wenn aber die Verzeihung großmütig ist, dann bleibt das Verhältnis zwischen Gerechtem und Schuldigen erhalten und, ganz im Gegenteil, anstatt dass sich das Boot auflöst, wird es „kräftiger“ und „schöner“ und es gibt einen Käpt’n und einen Bediensteten. Auch wenn es keine Klage mehr gibt, bleibt die Schuld als trennendes Element erhalten.

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Gesellschaft
Darüber kann man sein ganzes Leben definieren – Man bleibt damit beschäftigt, entweder der Käpt’n zu bleiben – also alles richtig zu machen, damit man sich nicht schuldig macht – oder im Gegenzug bleibt man damit beschäftigt, nicht mehr der Schuldige zu sein – also alles richtig zu machen…. hmm.
Man sitzt also nach wie vor im selben Boot! Dieses Boot könnte man Gesellschaft nennen – oder auch Moral. Man fängt an, sich Selbst und das „Richtige“ über die wahrgenommene Reaktion Anderer auf das eigene Verhalten zu definieren. Bis man auf einem Riesenfrachter sitzt, prunkvoll und gesichert, vor Anker liegend und gefeiht gegen alle Stürme, bis man gänzlich vergessen hat, dass man ja eigentlich ein Wassertropfen ist, der einfach wieder nach Hause will – in den Ozean.

Befreiung
Den Finger runter nehmen heißt also nichts anderes, als „nach Hause kommen“, zurückkehren in den Ozean, als der Wassertropfen der ausgezogen ist, um eine Erfahrung zu machen. Die Erfahrung an sich ist nicht so wichtig, vielmehr geht es um das Heimkommen. Aus jeder erdenklichen Situation kann diese Rückkehr oder besser Rückverbindung wieder hergestellt werden… und wie auch immer die Situation gerade erscheinen mag, ist es möglich darin die Freiheit wieder zu finden.

In mir selbst
Soweit so gut, aber was passiert jetzt, wenn der Schuldige gar keinen Kläger im Außen hat, sondern beide in mir, in dir selbst zu finden sind? Vielleicht ist das der einzige Aspekt von Trennung: die Idee, dass an mir/ an dir irgendetwas „Falsch“ sein könnte, dass man sich irgendwohin entwickeln müsste oder dass wir da noch nicht sind, wo wir sein sollten… Denn wenn der Käpt’n und der Bedienstete in einer Person zu finden sind, dann wird genau diese Persona zum Boot, das die Trennung vom Meer aufrechterhält, ob man sich gerade im Großmütig-Gerechten wiederfindet oder im Reuig-Schuldigen – Das beste ist, es wird immer einen Grund geben, warum man es noch richtiger machen kann – weil doch beide mit der gleichen Motivation im selben Boot sitzen… kommt mir das bekannt vor?? ;o)

Den Finger runter nehmen
Kein Wunder, dass Jesu Botschaft die der Verzeihung, der Vergebung ist. Jesus ist einer dieser vorausgegangenen Meister, die uns den Weg nach Hause zeigen wollen! Wann immer man sich in der Idee wiederfindet, dass man etwas falsch macht, dass man noch nicht gut genug ist oder im Außen etwas falsch läuft – Finger runter nehmen und bereit sein diese Spannungsfelder zu fühlen, wie auch immer sich das dann gerade anfühlt! Denn sobald wir uns als Wassertropfen erkennen, ist es so einfach ins Meer zu finden und wieder völlig im Fluss zu sein.

Paradies
Das Paradies auf Erden wäre dann, wenn lauter Wassertropfen, die sich als solches bewusst sind, auf einem riesigen Boot, Mensch-Sein spielen! Und denkt daran, es ist ein Spiel und Wassertropfen sind eben Wassertropfen, denn wenn wir uns alle als erwachtes Bewusstsein wahrnehmen, könnte es sein, dass sich wieder dieser Großmut einschleicht und das Boot ein bisschen zu stark leuchtet und all die Wassertropfen schöne Kleider tragen…

Dran bleiben und Finger runter nehmen, denn letztlich sind wir der Ozean – still und bewegt – stürmisch und ohne Wind – laut und leise…
Dran bleiben

Herzliche Grüße
Christian

Nachtrag
Ich habe mich gefragt, warum denn kein Text zum Thema „Lichtmess“ aus mir herausgeflossen ist, also zur Initiation von neuen Projekten und neuen Möglichkeiten im neuen Jahr…

Das Licht ist für mich ein anderes Wort für die Reinheit, das So-Sein und unsere Herzens-Qualität! Möge diese Reinheit in alle Projekte des neuen Zeitalters fließen! Halleluja ;o)

Mediale Einzelsitzung

> zum “Dran bleiben”
> für den inneren Frieden

 

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