Stille – die Lücke

von | 23.09.2018 | Blick in eine andere Welt | 0 Kommentare

Ich sitze da und warte auf den Impuls in mir, auf das Thema, das aus der Zeitqualität heraus besprochen werden will…. Aber es bleibt still. Ich verweile und tauche ein… es bleibt still. Ich durchforste die Themen die schon aufgetaucht sind und auf Verwirklichung warten, doch es gibt keine Resonanz in mir zu den Worten die schon einmal niedergeschrieben werden wollten. Ich blättere in alten Artikeln, von vor 10 Jahren, erkenne die Wahrhaftigkeit der Texte, aber keiner davon verbindet sich mit diesem Moment….

und es bleibt einfach still.

Ich gebe mein Ziel auf, heute an diesem Sonntag einen Artikel zu veröffentlichen und überlege, wie ich es kommuniziere, dass es keinen Artikel geben wird. Selbst in diesem Nachsinnen bleibt es einfach nur still. 

Ich durchwandere Selbstwertzweifel, weil sich diesmal kein Kanal öffnen will. Wegen der Zweifel bleibe ich einfach still. Will präsent sein mit dem Zweifel, ihn nicht wegdrücken und fühlen und plötzlich ist es einfach nur noch still. – Wie eine Badewanne mit körperwarmem Wasser, oder wie ein Schweben in angenehm warmer Luft. Wie ein Tropfen Meerwasser der hinabtaucht und die Grenze seiner Tropfenhaftigkeit nicht mehr wahrnimmt.

Einfach nur Still!

Da ist das Thema – eben ohne Wort. So leise kündigt es sich an und bleibt mit mir in Kontakt in ein-eindeutiger Beharrlichkeit, in liebevoller, umspielender Deutlichkeit. Geduldig genug, um all die Reaktionen in mir abzuwarten. Meine Unruhe, meine Ziel-Orientierung, meine Ungeduld und meinen Zweifel, meine Interpretation und meine Wertung über die unerwartete Themenlosigkeit in mir.

Lasse mich fallen in das Wohlgefühl zu Erkennen und nehme an und bekunde Bereitschaft zu dem Thema das heute besprochen werden will.

Aber wie spricht man über Stille? Jedes Wort ist schon zu viel, weil es genau das nicht ist, über das geschrieben werden soll. Und jede Formulierung ist viel zu wenig, weil sie nicht im Geringsten davon erzählen kann, was das Erleben gerade ist.

Das Einzige was mir bleibt ist, dieses Wunderbare, Unbeschreibbare zu umspielen mit meiner persönlichen Erfahrung, mit Bildern die in mir auftauchen und von denen ich sicher weiß, dass sie es nicht sind, von was ich sprechen will… und einzig und allein die Unterscheidbarkeit von Allem was es nicht ist zu DEM, einen Geschmack vermitteln kann, was hier erzählt wird.

Ich liebe diese unvereinbaren Worte die jeder Logik trotzen und genau deswegen erlauben von etwas zu berichten was unbeschreibbar ist. Ich liebe diesen Moment, in dem ich meine Finger Tasten drücken sehe und mein System auf Empfang eingestellt ist, ohne mir die Mühe zu machen, die Worte die da auftauchen zu hinterfragen. Immer wieder gibt es die Lücke die unendlich wehrt und kein einziges Wort zur Verfügung stellt, bis plötzlich und unerwartet Worte auftauchen, in einer Geschwindigkeit, so dass meine, eh fragwürdige, Tasten-Schreibfähigkeit voll an Ihre Grenzen kommt.

Manchmal bin ich auch einfach zu langsam und ein Satz der sich gebildet hat und in meinem Herzen freudig räsoniert, verschwindet in die Erinnerungslosigkeit, genauso wie er aufgetaucht ist. Still und abwartend, freudig erregt warte ich auf den nächsten Impuls. Nicht wirklich ist es ein Warten, eher ein Moment von ewiger Stille und freudiger Präsenz, bis die nächste Formulierung herein springt wie ein Reh das nachts eine Strasse quert. Ich reagiere und meine Finger tippen, halten inne, wenn erneut eine Lücke sich auftut, eilen über die Tasten, wenn das nächste und das nächste und das nächste Wort heran eilt, um ausgedrückt zu werden – auf meine ganz persönliche Weise.

Wohl wissend, dass hier niemand sitzt, der die Wahrheit spricht, sondern einfach nur ich selbst, der auf seine ganz eigene Weise die Wahrhaftigkeit umspielt, damit sie sich von meiner Individualität abheben kann und so erlebbar wird  – wieder auf ganz persönliche Arten und Weisen, wenn, wieder ganz individuell, gehört wird, was es nicht ist.

Lücke – ich warte und bin froh darüber, dass mein Geist ruht und sich in die Impulslosigkeit entspannt. Reines Sein drückt sich aus über den Kontrast zu den Worten….

Das ist unser Auftrag – so jedenfalls spricht die Gewissheit in mir – durch das, was wir tun und was wir ausdrücken, durch das, was wir in die Welt bringen, davon zu erzählen was dahinter ist. Es ist die Lücke, die Stille, die Leere, der Tanz… es ist die Quelle, das Leben, die Freude, der Tod… es ist das Eine, die Liebe, das Bewusstsein, die Tat… ES IST…..

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Wenn ich das zum wiederholten Male lese, dann frag ich mich, warum diese Welt so aufgeregt ist und warum soviel erreicht werden muss. Was für ein Spiel haben wir da erfunden, das uns fern hält von dieser Lücke, die uns immer wieder sagen will, dass es nichts zu erreichen gibt. Handlung ist Freude, ist kreativer Ausdruck, ohne erreichbares Ziel und ohne Vermeidung.
Die Vermeidung von Krieg ist längst noch kein Frieden, sondern erst wenn ich bereit bin mit der Möglichkeit von Krieg im Frieden zu sein, kann sich Frieden im Erleben verwirklichen. 

Werfe die Frage in den Raum, warum gerade jetzt dieses Thema sich zeigt und ad hoc „überfällt“ mich die Antwort: Die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche ist gerade gewesen, es ist eine Veränderung, die deutlich spürbar ist und doch sich in der Gleichheit von Tag und Nacht ausdrückt. Es ist ein Wende-Punkt in der Gleichheit, ein Abschied und ein herannahender Tod.

Der unglaublich schöne Sommer neigt sich dem Ende zu und die kalte Jahreszeit ist spürbar, aber noch nicht ganz da. Abschied nehmen, geschehen lassen, fühlen und mitgehen, sonst tut es nur weh. Aber auch keine Erwartungen voraus senden und sich einlassen auf das, was eh schon längst angelegt ist und sich selbstverständlich verwirklicht. Die Ernte wird demnächst eingebracht und der Winter und die Ruhe-Phase ist versorgt. das Leben zieht sich ein wenig zurück zur Reinigung und zur Läuterung, damit das Neue, unbehelligt vom Vergangenen sich entwickeln und aufbauen kann. Sich überschneidende Wellenbewegungen, die nichts anderes als unsere Gelassenheit brauchen, damit das Leben ungehindert fließen kann.

Welche Zyklen man auch immer betrachtet, es sind Wellen-Bewegungen von Werden und Vergehen und sie dienen einzig und allein als Kontrast zu dem, was nicht darstellbar ist. Es geht also nicht um diese Wellen, wie hoch oder flach sie auch immer sein mögen, sondern es geht um den Raum der all das, was erlebbar ist umschließt.

Dieser Raum ist wohlwollend, ist Liebe, ist Quelle und Kraft, dieser Raum ist Möglichkeit und Leinwand für das Spiel, das wir frei gestalten. Es ist an uns, die Bilder zu entwerfen, die diesen Raum füllen sollen – immer inspiriert von dem leeren Raum der uns immer nur sagt: ICH BIN.

Der Kampf ums Überleben macht überhaupt keinen Sinn, weil es keinen Grund gibt in einer Welt von Kampf zu leben. Auch nicht, wenn der Kampf ein ehrbares Ergebnis erreichen will. Das, was uns bleibt ist, in den befürchteten „Tod“ einzuwilligen, das schlimmste Szenario zuzulassen, damit die Verbindung zum endlosen Raum wieder hergestellt sein kann und die Notwendigkeit von der Furcht verschwindet.

Im Deutschen sind die Worte „Furcht“ und „Frucht“ bis auf zwei getauschte Buchstaben identisch. Nur die Schwingungsqualität ist eine andere. 

Lasst uns den Mut haben der Furcht in uns zu begegnen – einzutauchen in die endlose Weite des stillen Raums – damit die Frucht unseres Lebens diese Erde nähren kann.

Herzliche Grüße
Christian

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