Individualität hat ein Problem…

von | 29.07.2018 | Wandel | 0 Kommentare

…wir sind nicht alleine auf dieser Welt.

Solange man Individualität als Gegensatz zu Gemeinschaft ansieht, gibt es sowohl im Thema Gemeinschaft als auch in der Individualität unlösbare Schwierigkeiten.

Weder sind wir alle gleich, also nur „Gemeinschaft“ – das ist der Versuch eine Norm bzw. Normalität zu definieren, noch sind wir so individuell, dass wir eine persönliche Alleinherrschaft in Anspruch nehmen könnten. In der Spiritualität wird seit geraumer Zeit ein „Wir“ als Gemeinschaftswesen definiert, das in meinen Augen zwar existiert, aber all zu schnell wieder zu einer spirituellen Form von Norm erhoben wird, wenn man es separat und alleingültig betrachtet. Dann sind wir alle Eins – wieder als Ansammlung von Individuen oder als Feld, indem Individualität keinen Platz hat.

Wir sind individuell UND wir sind permanent in Gemeinschaft – ob wir das wollen oder nicht. Selbst auf einer einsamen Insel sind wir nicht allein, und auch wenn das Gefühl entsteht, man könnte jetzt tun und lassen was man will, wird man bald merken, dass es da Einschränkungen gibt! Denn wo auch immer wir uns hinbewegen, betreten wir schon existierende Lebensräume und wenn man sich nicht darauf bezieht, wird es Gerangel um den Besitz oder gar Eigentum geben… nicht zuletzt deswegen, weil man sich „Selbst“ also seine eigene Geschichte immer im Handgepäck mit dabei hat. Das Verrückte ist nämlich, dass selbst wenn man es geschafft hat, alle Trigger-Punkte der Vergangenheit zu vermeiden, man davon nicht befreit ist. Es taucht eine nagende Form von Einsamkeit auf, allein dadurch, dass die eigene Geschichte abhanden gekommen ist. …und man hat ja plötzlich viel Zeit um darüber nachzudenken.

Vielleicht ist das der Grund, warum die Menschheit so einen „Fortschritt“ erlebt – weil alle in ihrer Separation der Einsamkeit davonlaufen und Tag und Nacht aktiv sein müssen um diese Leere zu vermeiden. Schon das Wort für sich weist darauf hin: Fortschritt ist der Schritt fort von… aber von was? Erst einmal von sich Selbst, also von der eigenen Geschichte – die ja grundsätzlich dazu entworfen ist, Spannungsfelder zu erzeugen – weil sie aus Spannungsfeldern entstanden ist. Und dann von der Erkenntnis, dass es ohne ein „Einlassen“ auf 7 Milliarden Individuen auf dieser Erde nicht geht.  Schon allein deswegen, weil der Platz nicht mehr reicht, wenn jeder für sich, sich abgrenzen möchte.

Das, was wir gerade in der Welt erleben, ist das permanente Gerangel um Anteile – dabei ist es grundsätzlich egal, ob es um Territorien geht, um Besitztum, um Weltanschauungen oder einfach nur um Befindlichkeiten. Immer muss man feststellen, dass das eigene Bedürfnis an die Grenzen der Bedürfnisse anderer stößt. In der Verteidigung der persönlichen Lebensform gibt es Streit, weil sich die Lebensräume nicht durchdringen dürfen, was sie unweigerlich, selbstverständlich, sowieso tun.

Aus meinen inneren Bildern heraus betrachtet, ist das fast ein bisschen lustig, weil sich im Streit kräftig farbig, leuchtende Energiefelder durchdringen, fast überdecken und der kleinste Teil des Wesens -nämlich die körperliche Erscheinung- versucht sich händeringend abzugrenzen. Absolut unmöglich und eine frustrierende Sissyphus-Beschäftigung, weil man ja sowieso ineinander sitzt.

Ist es da nicht verständlich, dass es zu Kriegen kommt? Weil der Versuch, sich abzugrenzen zum Scheitern verurteilt ist!

Noch ein weiterer Gedanke:
Wir leben in einem wirtschaftlichen System, das auf Separation aufgebaut ist. Um Werte definieren zu können, muss es eine Grenze zu anderen Werten geben. Das nennt man Marktwirtschaft. Es ist und bleibt ein ständiges Gerangel um Positionen damit man dem was man tut, einen Wert geben und es zu seinem Vorteil nutzen kann. „Höhe“ definiert sich über „Tiefe“ – „gut“ definiert sich über „schlecht“… usw. Damit also unser Wirtschaft-Spiel funktionieren, muss es Gegensätze geben, und damit die Reichen und die Armen… In diesem System definiert sich der Reichtum über die Existenz der Armut…. (Wir sprechen hier von Reichtum, nicht von Fülle – aber das wird ein eigener Artikel).

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Aber was heißt das denn dann in der Konsequenz?
Wir sind höchst individuelle Standpunkte, in permanenter und selbstverständlicher Gemeinschaft ,mit einer persönlichen Geschichte.

Individualität:
Kein Mensch auf dieser Erde ist wie ein anderer Mensch! Schon allein deswegen, weil wir die Welt aus unseren Augen betrachten, die rein räumlich neben den Augen eines anderen stehen. Dinge völlig gleich zu sehen, ist also reine „Rechen-Leistung“ im Gehirn und hat nichts mit der individuellen Wahrnehmung zu tun. Vielleicht sollte man sich grundsätzlich gönnen, die Dinge anders zu sehen als irgendjemand anders auf der Welt – weil es einfach so ist. Demzufolge ist Gruppenbildung in Weltanschauungen eine sehr komplexe Verrechnung von persönlichen Sichtweisen und zum Scheitern verurteilt, weil es für jedes! Individuum eng werden muss.

Also erlaube ich mir einzigartig zu sein und versuche nicht, andere von meiner Betrachtung zu überzeugen.

Gemeinschaft:
Gleichzeitig jedoch sind wir in permanenter Gemeinschaft, unsere Energiefelder durchdringen und überschneiden sich. Man könnte durchaus sagen, wir sind ein Wesen – ein „Wir“.

Das würde bedeuten, die sehr individuelle Wahrnehmung ist ein wichtiger, einzigartiger Teil eines Ganzen, eines Gemeinschaftswesens. Anders herum gesagt, sind die individuellen Standpunkte quasi die Ausdrucksform des Gemeinschaftswesens. Persönliche Anschauungen gegen die Anschauung anderer zu stellen macht also überhaupt keinen Sinn: das wäre der Kampf gegen sich selbst!

„Sich Selbst“, die persönliche Geschichte:
Das ist der Teil, der immer Probleme schafft. Schon allein unsere Sprache ist da unpräzise oder zumindest der allgemein übliche Gebrauch der Worte. Weil das „Selbst“ entweder die aus der Geschichte definierte Person ist oder das, sich aus unterschiedlichen Standpunkten zusammensetzende, Eine.

Wie oben schon beschrieben, ist die persönliche Geschichte ein Spannungsfeld. Es ist das Lernfeld, in dem wir uns bewegen und das uns letztlich dahin führen möchte, uns als das Eine wahrzunehmen. Also ist die Spannung eine Notwendigkeit, um auf die gleichzeitige Wahrheit der Standpunkte hinzuweisen.

Wenn wir aber in dieser Persona, in der separierten Wahrnehmung einer Seite stecken bleiben – also in der Geschichte – bleibt das Leben ein entweder-oder und damit ein Spannungsfeld.

Das Selbst ist dann eben eine, aus der Geschichte definierte, Person (was im übrigen aus dem lateinischen übersetzt „durchtönen z.B. einer Maske(!)“ heißt) die im Widerspruch steht mit anderen Personen.

Ein Beispiel:

Wenn wir aus einem neu entstandenen Gefühl von „Wir“ auf die Idee kommen, dass wir alles teilen wollen, dann ist das immer noch aus dem Gefühl von „getrennt -sein“ heraus. Aus „persönlicher Sicht“.

Denn wenn ich etwas teilen will oder muss, dann gibt es mich und mein Gegenüber – also Teilung. Wenn wir uns als zwei Standpunkte des gleichen Seins wahrnehmen, dann fällt einfach nur die Bewertung des anderen Standpunkts weg, man hört diese andere Sichtweise, um die gemeinsame Vorgehensweise zu erkennen. Das ist frei von Erwartung, aber das gleichzeitige Wahrnehmen von Individualität und Einheit. Dann wird nicht „geteilt“ sondern immer wieder neu entschieden, was als nächstes geschieht. Vielleicht kommt dann „teilen“ dabei heraus – weiß man aber nicht!

An dieser Stelle kommen die Elemente zusammen: Ich wurde gehört als individuelles Wesen UND ich bin gleichzeitig ein wirksamer und integrierter Teil einer Gemeinschaft.

Zusätzlich kann meine Geschichte sich erlösen, weil die Erfahrung die ich mache keine Wiederholung von Spannungsfeldern ist. Meine Einzigartigkeit wird dann zum „unschätzbaren Wert“.

Dann ist Individualität kein Problem mehr, weil wir -Gott sei Dank- nicht alleine sind auf dieser Welt.

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