Berührtheit

von 18.11.2018Wandel0 Kommentare

…oder das magnetische Spiel

Jedes mal aufs Neue, wenn ich beginne zu Schreiben, wird mir klar, dass das, wovon ich schreibe eigentlich nicht in Worte zu fassen ist – weil Worte zur Materie gehören und damit der Dualität unterliegen. selbst wenn ich darum bitte, das Gesagte mit dem Herzen zu hören – die Stelle, die aus dem Einen heraus fühlt, wahrnimmt und weiß – dann ist mir völlig klar, dass dieses, eigentlich völlig wertfreie, beschreibende Wort mit Bedeutung belegt ist und damit entweder in das positive oder in das negative Schächtelchen gelegt wird und damit jenes Herz von dem ich spreche, nicht mehr erreichbar ist.

Dahinter
So bitte ich den Leser/die Leserin, hinter den Worten wahrzunehmen, sich im „Einen“ berühren zu lassen, was selbstverständlich in uns und in der Kindheit noch voll aktiv ist. Das ist eine Entscheidung die wir treffen können und auch treffen müssen. Vielleicht ist es sogar die einzige Entscheidung die wir tatsächlich treffen, in einer Welt die so vordergründig sein kann und uns ständig herausfordert, tiefer zu gehen und dahinter zu schauen…. bis am Ende alles leer bleibt und still: Darum geht es mir.

Attraktive Welt
Ich weiß natürlich wie attraktiv die schnelle Welt im Äußeren ist, die Bilder die auftauchen, denen man hinterereilt und die aber genauso schnell wieder verschwinden und nichts übrig lassen als eine Leere die, je nach dem was man gerade erlebt hat, unterschiedliche Formen annehmen kann. „Attraktiv“ ist auch ein völlig richtiges Wort in diesem Zusammenhang, wenn man bereit ist, die ursprüngliche Bedeutung anzunehmen: Anziehend – zu sich hinziehend – magnetisch. Es hat nichts mit emotionalem Inhalt zu tun, sondern nur damit, dass man dort hin gezogen wird und  – wie beispielsweise in der Werbung – zu einer bestimmten Handlung aufgefordert wird.

Verführung
Kein Wunder, dass es Menschen gibt, die dann von „Verführung“ sprechen – oder sogar vom Teufel – weil es durchaus das Gefühl geben kann sich davon nicht lösen zu können oder „übernommen“ zu werden, also alles andere als „frei“ zu sein. Aber woran liegt das, wo wir Menschen doch so stolz darauf sind zu behaupten, wir hätten die freie Wahl (zumindest in der reichen westlichen Welt). Magnetismus ist immer abhängig von zwei Polen – also muss es etwas in uns geben, was uns anziehbar – „attraktiv“ macht. Da sag ich nur: Teufels Küche! Denn in dem Moment, indem ich das ausspreche fühle ich den emotionalen Inhalt, den wir selbst hinzufügen. Ist es nicht so oft unser Ziel, attraktiv zu sein, sich auf eine bestimmte Art darzustellen, damit man auch auf bestimmte Art und Weise wahrgenommen wird?

Wirkung
Es ist also unsere selbsterzeugte Wirkung die uns attraktiv macht, die uns zu einem Pol werden lässt, der angezogen werden kann. Damit werden wir selbst zur Ursache die Wirkung erzeugt und fügen uns ein in ein Spiel, das uns einfach übernimmt – weil wir einen bestimmten Magnetismus auslösen. Irgendwann hat man genug davon, weil der emotionale Inhalt unbefriedigt bleibt – wir also immer wieder in diese unerträgliche Leere stürzen – und wir verändern unsere Wirkung: Aus langen Haaren werden kurze, ein paar Kilo weniger und neue Klamotten, einen neuen Job in dem man sich mehr gefordert fühlt… etc., etc., etc. ….
Ein Verändern der Schwingungsqualität, der „Farbmischung“, was tatsächlich andere Dinge, andere Menschen anzieht und was uns Gelegenheit gibt, uns tatsächlich neu zu fühlen – bis auch dieses „Neu“ als leer durchschaut ist. Das ist, wie wenn man einfach das „Vorzeichen“ ändert… da gibt es nicht nur plus und minus, sondern unzählige Mischungen.

E-motion
Auch dieses Wort ist furchtbar präzise. Es heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass Energie in Bewegung kommt – und das ist doch geil… oder? Ständig ist was los, ständig auf emotionalen Hochtouren, ständig ganz vorne dran und mitten drin. Wenn man auf dieser Schiene fährt, dann jagt eine Emotion die andere. Kaum ist die Eine abgeklungen schon muss die Nächste her. Man kann mit Fug und Recht behaupten, man hätte ein intensives Leben – wie wahr, bis man sich beim „burn-out“-Therapeuten wieder findet. Dieses Wort ist ebenso furchtbar präzise, auch wenn es ein sogenanntes „Kunst-Wort“ ist: es ist ein energetisch-emotionales „ausbrennen“ oder „durchbrennen“….

Leere
….aber warum tun wir uns das an? Vielleicht nur deshalb um dieser unerträglichen Leere zu entgehen, die plötzlich und unerwartet auftaucht, wenn wir Sonntags mal frei haben, kein Termin der ansteht, keine Einladung, keine Party…. Plötzlich ist man gezwungen sich „Selbst“ auszuhalten und man stellt fest, dass in einem selbst einfach alles leer ist. Alle Selbst-Definition, die einen so attraktiv gemacht hat, fällt plötzlich ab und das, was unser Wesen ausmacht – nämlich die Stille – wird mit einer Mangelerscheinung verwechselt: der Leere. Nur aus der Position der Attraktivität, der Selbst-Definition kann ein Gefühl der Leere entstehen, weil eben diese „Seifenblase“ im magnetischen Spiel plötzlich platzt und die schillernden, bunten Farben verschwinden.

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„Maya“ – die Wüste
Wenn wir also nicht innehalten können im magnetischen Spiel der schillernden Welt, dann deswegen, weil wir den Zustand der Leere nicht aushalten und nicht akzeptieren wollen, dass diese bunte Welt eine Täuschung ist. Nicht umsonst wird in der indischen Tradition von der äußeren Welt, von „Maya“ – der Täuschung gesprochen. Diese Welt ist deswegen nicht „unreal“, was oft daraus gemacht wird und als gute, spirituelle Ausrede benutzt wird, nicht mehr daran teilzunehmen. Nein, mit „Maya“ ist die magnetische Seifenblasen-Welt gemeint, die unweigerlich zur Enttäuschung führen muss, wenn man sie als das einzig Wahre annimmt. Die Leere wird dann zur Wüste, in der man nach neuen schillernden Farben dürstet und dem nahenden Tod entfliehen möchte. Tatsächlich ist die Leere ein Tod, weil die Seifenblase platzt.

Schmerz
In dem Moment, in dem die schillernden Farben verschwinden, könnte man von „schmerzlicher Leere“ sprechen – weil all die Vernetzungen und Interaktionen verschwinden, weil das Ziehen und Schieben des Magnetismus einfach aufhört. Es ist ein „Entspannungs-Schmerz“, an dem nichts verkehrt ist, aber vor dem die meisten Menschen Angst haben. Dieser Schmerz hat so viele Gesichter und ist selbstverständlich mit der Geschichte verknüpft, in der er aufgebaut wurde. Ein „spannender“ Schmerz, der in der Entspannung offensichtlich wird. Unsere Sprache nutzt das wieder auf so präzise Weise: „Der Film war voll spannend“, oder „…ich bin das ganze Wochenende eingespannt“… usw. Wir tauchen ein in eine Bilderwelt und sind darin eingespannt, durch den emotional erzeugten Magnetismus. In der ent-Spannung und der ent-Täuschung tut das weh.

Berührtheit
Die Angst vor diesem Schmerz, die Angst vor dem Tod, in das „nicht-etwas“ lässt uns in den meisten Fällen vermeiden, näher an Situationen und an Menschen heran zu kommen. Es ist wieder ein Teil des Magnetismus, wenn wir in einer Vermeidungshaltung sind und wir halten das Spiel am Laufen… wir sind am Laufen, und zwar weg von der Berührtheit. Wie eingangs bemerkt, kann man jetzt natürlich über die gewählten Worte diskutieren, aber genau an dieser Stelle kann ich erklären, was ich damit meine, aus dem Einen zu hören: Diskutieren wir über Worte, bleiben wir in dem Spiel von Anziehen und Abstoßen und vermeiden damit in das Eine einzutauchen, in das, was uns allen gleich ist. In dem „Einen“, ausserhalb des Spiels, wären wir von dem ganz individuellen Standpunkt berührt – welcher es auch immer gerade sein mag – und wir fühlten mit, was auch immer gerade an Gefühlen da wäre… Aber wir würden das Tor durchschreiten, vor dem wir Angst haben, weil es sein könnte, dass der Schmerz der Täuschung auf uns lauert.

Und konkret im Leben heißt das…?
Vermeide nicht Schmerz zu fühlen, vermeide nicht Angst zu haben, sondern fühle sie, vermeide nicht die Leere nach dem Spiel in der Seifenblasen-Welt. Was wir damit vermeiden würden, ist die „Berührt-heit“, unsere tiefste Sehnsucht nach Hause zu kommen von der abenteuerlichen Reise in der „spannenden“ Welt. Wir vermeiden sonst das, was unsere Essenz ist und wofür wir als Kind bereit waren unsere Unschuld zu opfern – die Liebe.
Wieder ein „großes“ Wort, ein Wort, das schon so oft verzerrt wurde, wie kein anderes – mit dem Herzen hören und wahrnehmen, dass es nichts anderes bedeutet als „Ja“:

Wir sind Eins, wir sind die Liebe, wir sind die Stille – alles andere dient nur dazu, genau das wahrzunehmen!
Und damit das völlig klar ist: Es ist nichts verkehrt an dieser bunten „Seifenblasen-Welt“ – es ist eine wunderbare Bilderwelt in der wir darstellen dürfen was wir wollen…
…kurz davon berühren lassen – …die Freiheit darin fühlen – und vielleicht wahrnehmen dass da Angst ist und der Schmerz lauert… ?!

Das Problem sind nicht die Seifenblasen, sondern problematisch ist der Glaube, dass das alles ist – dann müsste man nämlich wirklich um sein Leben bangen… ;o)

Herz-liche Grüße,
auf tiefe Berührtheit – willkommen zu Hause
Christian

Wenn es was dazu zu sagen gibt, freue ich mich über einen Kommentar

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